Donnerstag, 17. Juli 2014

Der Kampf im ewigen Flussbett

Wir benutzen für unser Navi die OSM Karten, welche qualitativ sehr hochwertig sind (zeigt Wege, auf denen seit Jahren kein Fahrzeug mehr gefahren ist), die aber bei manchen Strecken doch im Detail scheitern. Für die weitere Fahrt gab es auf dem Navi somit einen Abschnitt ohne Straßenverlauf zu bewältigen. Also werden Fahrspuren gesucht, die in etwa in die richtige Himmelsrichtung führen. Da diese dann auch nicht mehr vorhanden waren, sind wir nach Kompass querfeldein bis wir wieder auf eine Piste trafen.


Uns ist aufgefallen, dass je näher wir an einen Ort heranfuhren (etwa ab 30 km), umso schlechter wurden die Straßen und dementsprechend langsamer kamen wir vorwärts.
Um die Orte geht aber kein Weg vorbei. Da wir nicht genau wissen, wie die Versorgung an Sprit und Wasser in den weiteren Orten aussieht, nutzen wir dann auch die Gelegenheit, um unsere Wasser Vorräte aufzufüllen und unseren Motorädern das gute 80 Oktan Benzin zu gönnen. Sobald wir unseren Motorräder vor so einem Market (die befinden sich meist im Zentrum vom Ort) stellen, kommen von allen Seiten Mongolen meist auch auf ihren Mopeds, um uns und die Motorräder zu begutachten.


Die anfangs noch nicht anspruchsvolle Strecke änderte sich dann schlagartig, als wir einen Berg erreichten, über den wir mussten. Ab hier ging es in einem engen, trockenen Bachbett mit schroffen losen Geröll stetig bis auf 2200 Meter hoch. Die Abfahrt auf unter 1200 Meter war wieder relativ einfach zu befahren. Auf einmal zeigte das Navi, dass wir nicht mehr auf unserer Route fuhren. Einen Abzweig haben wir aber nicht gesehen. Dies ist eine dämliche Eigenschaft von den Garmin Navis, da die Anzeige immer erst eine Zeitlang auf der geplanten Route bleibt, obwohl man diese Route bereits verlassen hat und dann schlagartig neben diese Route springt. Somit ging es wieder querfeldein um die geplante Spur zu finden.
Die Suche führte uns dann in ein riesiges, sandiges Flussbett, dem wir dann folgten, da auch dort Spuren von einem Fahrzeug erkennbar waren. Wir hatten uns mehrmals in weichen sandigen Abschnitten so festgefahren, dass wir das Motorrad nur mit vereinten Kräften freibekamen.


Durch den Gewaltakt, hier vorwärts zu kommen, wurde von uns wieder mal ein Abzweig übersehen. Wir wollten den Kilometer nicht mehr zurückfahren und bevorzugten die Hügel neben dem Flussbett, was sich aber als selber Kampf herausstellte.


Als wir unsere geplante Spur erreichten, befanden wir uns wieder in einem sandigen Flussbett. Für die nächsten Kilometer brauchten wir gefühlte Stunden. Das unkontrollierte Rumrutschen im weichen Sand und das Freischieben der festgefahrenen Motorräder brachte uns bei 38 Grad im Schatten so langsam an den Hitzekollaps. Hinzu kam noch, dass die Kühlerlüfter an den Motorrädern im Dauereinsatz waren und wie ein heißer Fön, den Luftstrom an unsere Motorradstiefel bliesen. Unsere Füße fühlten sich an, als wären sie bald durchgebraten.

Ohne die erfolgreiche Reparatur des Lüfters an Wolfgangs BMW in Osh wäre dies nun sicherlich der Tot der BMW.

Nachdem wir mit unseren Kräften langsam ans Ende kamen, entschieden wir uns, direkt hier im Flussbett unsere Zelte aufzubauen und zu übernachten.


Hier in dem Flussbett leben fingernagelgroße Spinnentiere, die wie überdimensionale Zecken aussehen (eventuell auch welche sind). Sobald man sich barfuß in den Schlappen hinstellte, kamen sie wie aus dem nichts direkt auf einen angekrabbelt, um die Beine hochzulaufen. Wir wissen nicht, was die Tierchen anlockte (Bratenduft?), aber man wurde regelrecht von ihnen verfolgt. Leider haben wir keine Fotos gemacht.

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62. Tag: 0 (18) Länder, 150 km (16740 km), 5h18' (276h31')

Zeitverschiebung zur deutschen Sommerzeit: +6 Stunden

Übernachtung in der Mongolei (Höhe 1180 m).

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