Mittwoch, 28. Mai 2014

Grenzgang in den Iran

Durch die gestrige späte Ankunft im Hotel, konnten wir leider den hoteleigenen SPA-Bereich nicht mehr benutzen. Dafür genossen wir das Frühstück umso mehr und die Abfahrt verspätete sich auch noch wegen einem Gewitterregen.

Fotos werden noch nachgeliefert, da hier in Iran unser Blog gesperrt ist und wir nur begrenzt Zugang haben.

Bis zur Grenze sind es nur 40 km. Zuerst haben wir uns in dem Ort davor verfahren, da eine unscheinbare Parallelstraße zum Grenzposten führte. Für die Ausreise aus Aserbaidschan leitete man uns in ein großes Gebäude, in dem wir ganz alleine abgefertigt wurden. Unsere Motorräder wirkten sehr verlassen in dieser Halle.
Doch dann schickte man uns schnell weiter, da die iranische Seite zur Mittagszeit die Tore schließen.
Die iranische Einreise funktionierte folgendermaßen:

1.   Wir wurden von einem Herrn in einer grünen Uniform freundlich in fließendem Englisch empfangen. Er verlangte die Pässe, eine Kopie des Reisepasses, das Carnet de Passage und Informationen über unsere Reiseroute. Außerdem wollte er noch den Namen des Vaters wissen.
2.   50 Meter weiter wurde dann hinter uns der Schlagbaum geschlossen und mehrere Personen „kümmerten“ sich um uns. Alle in Zivil, einer davon inspizierte das Innenleben unserer Motorrad-Koffer. Jetzt kam die große Herausforderung, die offiziellen Grenzbeamten von den „Schleusern“ zu unterscheiden. Nachdem wir sagten, dass wir kein Geld für irgendwelchen Service bezahlen werden, erkannte man langsam, wer offiziell arbeitet. Einer hielt uns einen eingeschweißten Ausweis unter die Nase und behauptete sehr frech, dass er hier arbeite und wir sollen das machen, was er von uns verlangt. Dann drohte er uns, dass wir seinen Service für 30 US$ auf alle Fälle benötigen, da wir es sonst nie schaffen würden, alle richtigen Grenzhäuschen zu finden. Nach einer klaren Ansage, dass wir nichts bezahlen, zogen 5 Personen schon mal ab und wir fuhren, wie es uns dann der offizielle Grenzbeamte sagte, zum „Transit“-Häuschen.
3.   Dieses „Transit“-Häuschen ist leider nicht das Haus, auf dem „Transit – TIR“ steht, sondern ca. 800 Meter weiter. Der Weg dorthin ist nicht leicht, da es über mehrere Abzweigungen und durch sehr viele parkende LKW’s führt. (Wegbeschreibung dort hin: vom Tor aus nach ca. 200 Meter links, dann nach 300 Meter rechts, dann über eine größere Freifläche leicht links bis man auf ein größeres Gebäude trifft). In diesem Gebäude fängt man am hintersten Schalter an und übergibt dort sein Carnet de Passage. Wenn alles erledigt ist, kommt der Beamte mit zu den Motorrädern und überprüft Motornummer und Rahmennummer und vergleicht die Nummernschilder. Er kontrolliert noch einmal den Inhalt der Motorradkoffer und dann schickt er uns zum letzten Kontrollpunkt.
4.   Zu diesem Kontrollpunkt muss man wieder über die große Freifläche zurück fahren. Dann rechts der Straße folgen. Am Ende wieder rechts abbiegen bis zum Tor. Dort links ist wieder ein Gebäude, in dem noch mal das Carnet de Passage und der Zettel, den wir am ersten Tor ausgehändigt bekamen, geprüft bzw. eingesammelt wird. Wir durften danach noch in einem großen Buch unterschreiben. Noch mal wurde das Nummernschild mit dem Carnet de Passage kontrolliert und dann stand das Tor in den Iran offen. 

Zur Info:
Da wir die Hilfe der Schleuser nicht in Anspruch genommen haben, wurden wir von diesen anschließend noch mit Hohn und Spot beschimpft.

Die Dauer der ganzen Aktion lag ohne Schleuser bei ca. 2 Stunden (davon war etwa eine knappe Stunde den Regenschauer mit Hagel abzuwarten)

Nachdem im Iran das Benzin billiger ist wie in Aserbaidschan, war unsere Reichweite nicht mehr allzu groß und wir mussten schauen, dass wir bald an eine Tankstelle kamen. Das zog sich dann aber bis wir die erste Tankstelle fanden. Tanken ging dann auch problemlos. Nur zahlen nicht, weil unsere Plastikkarte nicht angenommen wurde. Zahlen mit Dollar war zwar möglich nur mit dem Umrechnen war der Tankwart nicht unserer Meinung. Ein hilfreicher älterer Iraner half in gutem Englisch und der Tankwart war dann doch froh über unsere Dollar.

Von den Temperaturen und dem Wetter hatten wir uns den Iran etwas anders vorgestellt. Da die Fahrt über 2100 Meter hohe Pässe ging, schwankte die Temperatur zwischen 9 und 27 Grad. Zum Teil blas der Wind so heftig, das wir Mühe hatten, das Motorrad noch auf der Fahrbahn zu halten.

Generell sind die Begegnungen mit Autofahren hier im Iran sehr interessant. Ca. jeder vierte von fünf blinkt mit der Lichthupe oder/und hupt, dann wird aus dem Fenster gewunken. Oft fährt der Fahrer neben einen und vor lauter schauen drückt er entweder uns auf die Seite oder er gerät in den Gegenverkehr. 5 cm Abstand bei voller Fahrt ist hier ganz normal.

Das letzte Stück fuhren wir über die Autobahn, die laut Aussagen im Internet für Motorradfahrer gesperrt sein sollte. Mit gemischten Gefühlen fuhren wir zur Mautstelle. Wir wurden dann einfach durchgewunken, vermutlich weil es keinen Tarif für Motorräder gibt.

Zum Schluss gab es als Krönung noch einen Mords Stau in Tabriz.

Das Hotel „Aserbaidschan“, welches wir Zuhause schon heraussuchten, liegt mitten in der Stadt, hatte aber keinen Parkplatz für unsere Motorräder. 200 Meter weiter fanden wir dann kurz vor der Dunkelheit das Hotel „Sahan“ mit  Parkmöglichkeit.

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12. Tag: 1 (11) Länder, 351 km (4789 km), 5h33' (68h20')

Übernachtung in Iran.

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